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Ostsee

Sehenswürdigkeiten an der Ostsee

Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.

Kultur & Sagen

Ostsee-Sagen: Vineta, Störtebeker & der Klabautermann

Die Ostsee ist ein Meer der Geschichten. Über Jahrhunderte haben Seefahrer, Fischer und Hansekaufleute ihre Erklärungen für Stürme, Untiefen und verschwundene Schiffe in Sagen gegossen. Drei davon begleiten die Küste bis heute und lassen sich an passenden Orten am Wegesrand verorten.

Vineta – die versunkene Stadt

Der Sage nach lag irgendwo vor der pommerschen Küste die reiche Handelsstadt Vineta, das Venedig des Nordens – prächtig, mächtig und sündhaft reich. Der Hochmut ihrer Bewohner habe den Untergang heraufbeschworen: In einer einzigen Sturmflutnacht sei Vineta im Meer versunken. An stillen Tagen, so heißt es, hören Fischer noch die Glocken der versunkenen Stadt vom Meeresgrund läuten. Wo Vineta wirklich gelegen haben soll, ist bis heute ungeklärt; mehrere Küstenorte beanspruchen die Legende für sich, unter anderem im Umfeld von Usedom und Barth. Die Geschichte vom strafenden Untergang einer reichen Stadt ist ein klassisches Motiv und passt in eine Region, die immer wieder von schweren Sturmfluten heimgesucht wurde.

Klaus Störtebeker

Der berühmteste Seeräuber der Ostsee ist Klaus Störtebeker. Er führte um 1400 eine Gruppe von Freibeutern an, die Vitalienbrüder, die Hanseschiffe kaperten. Sie nannten sich auch Likedeeler – Gleichteiler – weil sie ihre Beute der Überlieferung nach mit den Armen teilten, was Störtebeker den Ruf eines Robin Hood der Meere einbrachte. Historisch belegt ist seine Hinrichtung: Am 20. Oktober 1401 wurde er mit zahlreichen Gefährten in Hamburg auf dem Grasbrook enthauptet. Der Sage nach soll er erbeten haben, dass alle Gefährten begnadigt würden, an denen er nach der Enthauptung noch kopflos vorbeischreite – und tatsächlich an mehreren vorbeigegangen sein, bis der Henker ihm ein Bein stellte. An der vorpommerschen Küste, etwa im Raum Barth und auf Rügen, ist Störtebeker bis heute fester Bestandteil des Sagenschatzes; an manchen Orten wird die Erinnerung mit Festspielen und Denkmälern wachgehalten.

Der Klabautermann

Auf den alten Segelschiffen der Ostsee glaubte man an den Klabautermann, einen kleinen Schiffsgeist. Der Sage nach lebte er im Holz des Schiffsrumpfes und war ein hilfreicher Schutzgeist: Man hörte ihn klopfen und hämmern, wenn er heimlich Lecks abdichtete oder die Mannschaft vor Gefahr warnte. Zeigte er sich aber den Seeleuten offen, so galt das als böses Omen – dann, so hieß es, sei das Schiff verloren. Solche Seemannssagen erzählen viel über den Alltag an der Küste, wo das Meer Lebensgrundlage und ständige Bedrohung zugleich war.

Sehenswert

Hanse, Backstein & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage

Uferweg am Salzhaff
Uferweg am Salzhaff

An der Ostsee gehört Regen zum Programm, und bei auflandigem Wind kommt er waagerecht über die Küste. Für solche Tage steht in den Hansestädten genug bereit: Backsteingotik, Hansegeschichte und Meereskunde, alles innerhalb weniger hundert Meter Fußweg.

  • Europäisches Hansemuseum, Lübeck: 2015 in der nördlichen Altstadt eröffnet, verbindet es einen modernen Museumsbau mit dem historischen Burgkloster und erzählt die Geschichte der Hanse von ihren Anfängen bis in die Neuzeit – mit einem eigenen Strang zur Backsteingotik. Ein großes Innenraum-Erlebnis, ideal bei Dauerregen.
  • Ozeaneum Stralsund: Der Neubau am alten Hafen prägt mit seinen großen weißen Baukörpern seit 2008 die Hafenkante und gehört zum Deutschen Meeresmuseum. Er zeigt die Tierwelt von Nord- und Ostsee in großen Aquarien, dazu lebensgroße Wal-Modelle. Das Deutsche Meeresmuseum zählt zu den meistbesuchten Museen Norddeutschlands und betreibt mehrere Standorte in und um Stralsund. Für einen verregneten Nachmittag reicht das Haus locker.
  • Gorch Fock (I) in Stralsund: Das Segelschulschiff wurde 1933 gebaut und liegt heute als Museumsschiff im Stralsunder Hafen. Ein Gang über Deck und unter Deck ist auch bei Schietwetter ein lohnendes Ziel direkt neben dem Ozeaneum.
  • Backsteingotik-Kirchen: In Lübeck, Wismar und Stralsund stehen monumentale Backsteinkirchen, deren Innenräume schon für sich ein Ausflugsziel sind. Sie sind Teil dessen, wofür die Altstädte ihren UNESCO-Welterbe-Status erhalten haben.
  • Kunstmuseum Ahrenshoop: Das 2013 eröffnete Museum auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zeigt die Werke der dortigen Künstlerkolonie. Ahrenshoop war seit dem späten 19. Jahrhundert ein Anziehungspunkt für Maler – ein ruhiger Schlechtwetter-Stopp abseits der großen Museen.
  • Schlösser und Gutshäuser im Hinterland: Das Mecklenburger und vorpommersche Binnenland ist voller Guts- und Schlossanlagen. Wer bei schlechtem Wetter weg von der Küste ausweicht, findet hier kulturhistorisch wertvolle Ensembles wie etwa rund um Basedow am Malchiner See – eine gute Ausrede, das Hinterland statt der windigen Küste zu fahren.

Praktischer Vorteil: Die großen Museen liegen alle in den Altstädten oder am Hafen und damit dort, wo man das Motorrad ohnehin abstellt. Man kombiniert einen Stadtbummel mit einem Innenraum-Ziel und wartet die schlimmste Schauerphase im Trockenen ab.

Von Ostholstein bis zum Haff: sechs Küstenstriche mit eigenem Fahrgefühl

Wer die Ostseeküste am Stück fährt, merkt schnell, dass sie kein einheitliches Revier ist, sondern eine Kette sehr unterschiedlicher Landschaften. Im Westen, zwischen Travemünde und Heiligenhafen, liegt eiszeitlich aufgeschobenes Hügelland: kurze Anstiege, Kuppen mit freiem Blick auf die Bucht, dazwischen von Knicks gesäumte Nebenstraßen. Das ist der einzige Abschnitt, in dem man tatsächlich Höhenmeter sammelt, wenn auch bescheidene.

Anlegesteg am Tollensesee
Anlegesteg am Tollensesee

Fehmarn ist das Gegenteil davon: flach, weitgehend baumlos, geprägt von Getreide, Raps und Windenergie. Die Wege über die Insel sind schnurgerade, die Sicht reicht kilometerweit, und es gibt praktisch keinen Windschutz. Wer von der hügeligen Festlandsküste herüberkommt, spürt den Unterschied im ersten Moment am Lenker.

Östlich davon folgen der Klützer Winkel und die Wismarer Bucht mit Gutsdörfern, Alleen und dem flachen Salzhaff. Die Halbinsel Wustrow bei Rerik ist als ehemaliges Militärgelände gesperrt und nicht befahrbar — die Straße endet dort, wo auf der Karte noch Land liegt. Dahinter erhebt sich die Kühlung, ein bewaldeter Höhenrücken, der die Küstenebene für ein paar Kilometer unterbricht.

Zwischen Rostock und Stralsund schiebt sich die Nehrungslandschaft von Fischland, Darß und Zingst vor die Bodden, östlich davon beginnt mit dem Greifswalder Bodden und dem Stettiner Haff der stillste Teil der Küste. Rügen und Usedom haben eigene Seiten; für eine Runde entlang der Küste zählen sie vor allem als das, was sie fahrtechnisch sind — zwei große Schleifen im Osten, jede gut für einen eigenen Tag.

Was unter den Reifen liegt: Alleen, Platten, Pflaster

Der Belag ist an der Ostsee der eigentliche Taktgeber. Auf den Alleestrecken arbeiten die Baumwurzeln seit Jahrzehnten gegen die Decke: Der Asphalt hebt sich in Längswellen entlang der Baumreihe, dazu kommen Querrisse und geflickte Flickstellen. Auf schnellen Geraden setzt das Fahrwerk in gleichmäßigem Rhythmus durch — unangenehm vor allem mit Gepäck und hartem Federbein. Am Fahrbahnrand geht der Asphalt oft übergangslos in sandiges Bankett über, das nach Regen weich ist und beim Ausweichen keinen Halt bietet.

Auf Nebenstrecken in Mecklenburg und Vorpommern liegen stellenweise noch Betonplattenwege aus DDR-Zeiten. Die Querfugen sind spürbar, einzelne Platten haben sich gesetzt, und in Kurven versetzen die Kanten das Vorderrad leicht. Sie sind fahrbar, aber kein Terrain für zügiges Anbremsen.

In den Ortsdurchfahrten wechselt es auf Pflaster, und zwar in zwei Bauarten mit sehr unterschiedlichem Charakter: grobes Großpflaster mit breiten Fugen, das trocken schon unruhig läuft, und kleinteiliges, rundgeschliffenes Kleinpflaster, das nass wenig Grip bietet. Manche Dorfstraßen haben glatte Betonspuren in der Pflasterfläche — die schmale, saubere Linie liegt dann genau dort.

Dazu kommt Saisonschmutz. Im Frühjahr liegt in Kurvenausgängen und an Ortseinfahrten Restsplitt aus dem Winterdienst. Im Spätsommer und Herbst schleppen Erntemaschinen Erde auf die Landstraßen, besonders an Feldzufahrten und nach Regen. Beides erkennt man rechtzeitig, wenn man den Blick weit genug voraus hat.

Abbruchkanten und Schienen im Asphalt

Zwischen den flachen Abschnitten steht die Küste immer wieder als Kliff über dem Wasser. Das Brodtener Ufer bei Travemünde, die Abbruchkante bei Boltenhagen, die Stoltera westlich von Warnemünde und der windgeformte Küstenwald bei Nienhagen sind die bekanntesten Beispiele auf dem Festland, dazu kommen Steilufer an der Ostseite Fehmarns. Diese Kanten sind in Bewegung: Sturmfluten und Regen nehmen jedes Jahr Material weg, Wege und Geländer am Rand werden regelmäßig zurückgesetzt oder gesperrt. Man parkt vernünftigerweise auf den ausgewiesenen Flächen und läuft das letzte Stück.

Die Städte sind das andere Extrem. In den Altstädten liegt großflächig Pflaster, dazu kommen die Besonderheiten der jeweiligen Stadt. In Rostock laufen Straßenbahnschienen mitten durch den Fahrbahnbereich, teils in Pflasterflächen eingelassen — nass sind sie eine der glattesten Oberflächen überhaupt, und spitzwinkliges Überfahren geht schief. In Bad Doberan teilt sich die schmalspurige Bäderbahn zwischen Ostseebad Kühlungsborn und dem Stadtzentrum abschnittsweise die Straße mit dem übrigen Verkehr; der Zug hat dort Vorrang und kommt langsamer, als man erwartet.

Die Hafenkanten von Wismar und Stralsund und der Alte Strom in Warnemünde sind mit grobem Pflaster und Rangierflächen ausgestattet, auf denen im Schritttempo gefahren wird. Wer im Sattel bleiben will, nimmt die Umfahrungen; wer die Städte sehen will, stellt die Maschine ab, bevor das Pflaster grob wird.

Hinter der Dünenkette: Bodden, Haff und Flusstäler

Die Strandlinie ist im Sommer die volle Seite der Küste. Die leere liegt ein paar Kilometer landeinwärts, entlang der Bodden und Haffe. Diese flachen Brackwasserzonen — vom Salzhaff über die Barther und Grabower Gewässer bis zum Greifswalder Bodden und zum Stettiner Haff — haben eigene Uferstraßen, die kaum jemand fährt, weil dort kein Sandstrand wartet.

Fahrerisch ist das ruhiges, langsames Terrain: Schilfgürtel, Erlenbrüche, Kopfsteinpflaster in kleinen Dörfern, lange Sichtachsen über die Wasserflächen. In die gleiche Kategorie gehören die Flusstäler, die in die Bodden münden — Recknitz, Trebel und vor allem die Peene zwischen Demmin, Loitz und Anklam. Die Straßen dort winden sich mit dem Talrand, das Verkehrsaufkommen ist gering, und der Wind steht deutlich schwächer als am offenen Wasser.

Ein Punkt, der Ortsfremde überrascht: Die Ostsee hat praktisch keinen Gezeitenhub. Der Wasserstand wird vom Wind gemacht. Anhaltende Nordost- und Ostlagen drücken Wasser in die Bodden und Haffe, ablandiger Wind zieht es heraus. Bei ausgeprägtem Windstau können ufernahe Straßen und Deichwege überspült oder gesperrt sein — selten, aber im Herbst und Winter real. Wer eine Uferstraße als Verbindung eingeplant hat, sollte in solchen Wetterlagen eine Alternative im Kopf haben.

Im äußersten Südosten läuft die Ueckermünder Heide auf das Haff und die polnische Grenze zu. Der Belag ist dort teilweise ruppig, die Ortsdurchfahrten sind eng, die Landschaft ist dafür so leer wie kaum ein anderer Küstenabschnitt.

Fähren an der Küste und die Startrampe nach Skandinavien

Neben den Brücken bringen einige Fähren Abwechslung in die Tour und sparen Umwege. Zwischen Stahlbrode auf dem Festland und Glewitz auf Rügen verkehrt von etwa April bis Ende Oktober eine Autofähre im Pendelverkehr, etwa im Zwanzig-Minuten-Takt; im Winterhalbjahr ruht der Betrieb. Sie ist eine schöne Alternative zur vollen Rügenbrücke, gerade wenn man von Südosten kommt. Wer auf das autofreie Hiddensee übersetzen will, lässt das Motorrad in Schaprode stehen und nimmt die Personenfähre nach Neuendorf, Vitte oder Kloster – die Überfahrt dauert je nach Ziel rund eine halbe Stunde. Auch zwischen Stralsund und Hiddensee gibt es in der Saison eine direkte Verbindung. Außerhalb der Hauptsaison wird der Takt dünner.

Die deutsche Ostseeküste ist nicht nur Ziel, sondern auch Absprungpunkt. Von Puttgarden auf Fehmarn geht es über die Vogelfluglinie nach Rødby auf Lolland — die kürzeste Querung nach Dänemark und die klassische Route für alle, die weiter nach Seeland oder Jütland wollen. Am deutschen Hafenkopf laufen die Arbeiten für den Fehmarnbelt-Tunnel; Verkehrsführung und Zufahrten ändern sich dort über die Bauzeit hinweg, und die Beschilderung entspricht nicht immer dem, was das Navigationsgerät gespeichert hat.

Vom Rostocker Überseehafen setzen Schiffe nach Gedser auf Falster und nach Trelleborg in Schonen über — die schnellste Anbindung an Südschweden ohne Umweg über Dänemark. Travemünde deckt die längeren Strecken ab: Trelleborg, Malmö, Helsinki und Häfen im Baltikum. Wer eine Skandinavientour plant, legt sich die Küste damit als Anreiseetappe zurecht und muss nicht den Umweg über die dänischen Brücken nehmen.

Praktisch für die Verladung: Motorräder fahren meist zuerst auf und stehen auf dem Fahrzeugdeck vorn oder an der Bordwand. Das Deck ist Riffelblech, oft ölig und feucht, die Auffahrrampen sind steil und im Regen rutschig. Die Maschine wird mit Zurrgurten der Besatzung oder eigenen Spanngurten gesichert, sinnvollerweise über die Gabel eingefedert, damit sie beim Seegang nicht arbeitet. Auf blankem Blech kann der Seitenständer wegrutschen — Hauptständer, wenn vorhanden, ist die bessere Wahl. Helm und Wertsachen nimmt man mit nach oben, das Fahrzeugdeck ist während der Überfahrt gesperrt.

Für die Weiterfahrt gilt in Dänemark und Schweden ganztägige Lichtpflicht, und die Promillegrenze liegt in Schweden deutlich unter der deutschen. Beides ist keine Formalie, sondern wird kontrolliert.

Hansestädte, Leuchttürme und Bäderarchitektur an der Ostsee

Die Höhepunkte der deutschen Ostseeküste liegen wie aufgefädelt an der Küstenlinie: drei Altstädte mit UNESCO-Welterbe-Status, eine Reihe historischer Leuchttürme, die Kreidefelsen Rügens und die Bäderarchitektur der alten Seebäder. Fast alle liegen direkt an den Küstenstraßen und lassen sich zu Tagesetappen verbinden, ohne dass man dafür Umwege ins Hinterland fahren muss.

Die Hansestädte

Den westlichen Auftakt bildet Lübeck. Das Holstentor aus Backstein ist das Wahrzeichen der Stadt, die Altstadt steht seit 1987 auf der UNESCO-Welterbeliste und hat ihre mittelalterliche Struktur fast unverändert bewahrt. Lübeck gilt als Mutterstadt der norddeutschen Backsteingotik. Weiter östlich liegen die Hansestädte Wismar (Mecklenburg) und Stralsund (Vorpommern), deren Altstädte 2002 gemeinsam zum UNESCO-Welterbe erklärt wurden – wegen ihrer geschlossenen Backsteingotik-Bebauung. In Stralsund prägen das gotische Rathaus und die mächtige Nikolaikirche das Bild; die Stadt liegt am Strelasund und ist zugleich das Tor nach Rügen. In allen drei Städten parkt man das Motorrad am besten am Altstadtrand und erkundet das enge Gassennetz zu Fuß; das schmale Kopfsteinpflaster und die Einbahnregelungen machen das Fahren im Zentrum ohnehin unbequem.

Leuchttürme

Die Leuchttürme sind die natürlichen Wegmarken der Küste:

  • Kap Arkona an der Nordspitze Rügens ist das berühmteste Ensemble: Hier stehen mehrere Türme dicht beieinander, darunter ein älterer Backsteinturm von 1826/27, der 1828 in Betrieb ging und als einer der ältesten Leuchttürme der deutschen Ostseeküste gilt. Vom Turm reicht der Blick über die Halbinsel Wittow bis nach Hiddensee. Die Steilküste fällt hier bis zu rund 43 Meter steil ins Meer ab. Anfahrt über die B96 und Landstraßen bis Putgarten; das letzte Stück zum Kap legt man zu Fuß oder mit der Bimmelbahn zurück, motorisierter Verkehr ist am Kap selbst beschränkt.
  • Leuchtturm Dornbusch auf der autofreien Insel Hiddensee wurde 1887/88 errichtet und ging 1888 in Betrieb. Er steht auf einer Anhöhe, sodass sein Feuer aus großer Höhe weit auf die offene Ostsee hinausstrahlt. Hiddensee selbst ist für Motorräder gesperrt – man stellt die Maschine in Schaprode ab und setzt mit der Fähre über.
  • Darßer Ort markiert die Nordspitze der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. Der Leuchtturm liegt mitten im Nationalpark und ist nur zu Fuß oder per Rad ab Prerow erreichbar; im angeschlossenen Natureum gibt es einen Aussichtspunkt über die Boddenlandschaft.

Kreidefelsen und Steilküste

Im Nationalpark Jasmund auf Rügen steht die bekannteste Steilküste Deutschlands. Der Königsstuhl ist ihr markantester Kreidefelsen; dahinter schützt der Park einen alten Buchenwald, der zum UNESCO-Welterbe der Alten Buchenwälder gehört. Die Aussichtsplattform am Nationalpark-Zentrum ist kostenpflichtig. Die Anfahrt erfolgt über Sassnitz, der letzte Abschnitt zur Plattform ist nur über Shuttle, Rad oder zu Fuß freigegeben – Parkplätze liegen am Nationalpark-Zentrum bzw. außerhalb. Alternativ zeigt sich die Kreideküste eindrucksvoll vom Wasser aus auf einer Ausflugsfahrt.

Bäderarchitektur

Die weiße Stuck- und Holzarchitektur der alten Seebäder ist ein eigenes Kapitel. Heiligendamm bei Bad Doberan gilt als ältestes deutsches Seebad – 1793 gegründet – und trägt wegen seiner klassizistischen weißen Fassaden den Beinamen weiße Stadt am Meer. Auf Usedom stehen die Kaiserbäder Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin mit ihrer prächtigen Villen- und Bäderarchitektur. Die Strandpromenade, die die drei Bäder verbindet und bis ins polnische Świnoujście weiterläuft, gilt mit rund zwölf Kilometern als längste Europas. Für Motorradfahrer bieten sich die Promenadenparkplätze und die Ortsränder als Zwischenstopps an; in den Fußgängerzonen und auf den Seebrücken selbst ist Schluss mit Motor.

Auch auf Rügen ist die Bäderarchitektur dicht gesät. Binz ist das größte Seebad der Insel und reiht an Promenade und Hauptstraßen weiße Villen, Pensionen und Hotels mit verzierten Holzveranden, Türmchen und Erkern aneinander – der typische Stil entstand zwischen etwa 1890 und 1910. In Sellin führt die berühmte Seebrücke weit ins Wasser; an ihrem Kopf gibt es eine Tauchgondel, die Besucher unter die Wasseroberfläche absenkt und Einblicke in die Unterwasserwelt der Ostsee gibt. Ein Kontrastprogramm zur zierlichen Bäderarchitektur ist der nahe Koloss von Prora, ein über zwei Kilometer langer Gebäuderiegel aus den 1930er-Jahren – teils verfallen, teils zu Wohnungen und einer Jugendherberge saniert. Alle drei lassen sich gut in eine Ost-Rügen-Runde einbinden; die Maschine stellt man jeweils am Ortsrand oder an den Promenadenparkplätzen ab.

Boddenlandschaft, Seebrücken und Pausenplätze an der Küste

Die Stärke der Ostseeküste liegt in ihren Übergängen zwischen Land und Wasser: flache Bodden, schmale Halbinseln, Steilküsten und endlose Strände. Zwei Nationalparks schützen die spektakulärsten Abschnitte, und beide sind Pausenziele, die man nicht aus dem Sattel, sondern erst beim Anhalten richtig wahrnimmt.

Boddenlandschaft und Kraniche

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist der größte Nationalpark an der deutschen Ostseeküste. Sein Markenzeichen sind die Bodden – flache, brackige Lagunen zwischen Festland und Halbinsel – und eine ständig in Bewegung befindliche Küste. Im Herbst wird die Region zur Bühne eines Naturschauspiels: Jedes Jahr ziehen Zehntausende Kraniche über die Region, und die flachen Boddengewässer rund um Fischland-Darß-Zingst dienen ihnen als Rastplatz auf ihrem Zug nach Süden. Die seichten Wasserflächen zählen zu den wichtigsten Schlafplätzen Westeuropas. Beobachten lässt sich das von ausgewiesenen Plattformen aus – nicht von der Straße, und ohne die Tiere zu stören. Die Halbinsel selbst – Fischland, Darß und Zingst – ist rund 45 Kilometer lang und reiht Fischerdörfer, Seebäder und Wald aneinander.

Küste, Wind und Pausenplätze

  • Seebrücken: Fast jedes Seebad hat seine eigene Seebrücke, die weit ins Wasser hinausreicht. Die Seebrücke Ahlbeck auf Usedom von 1898 gilt als älteste Seebrücke Deutschlands, die Seebrücke Heringsdorf mit gut 500 Metern als längste. Auf Rügen ist die Seebrücke Sellin mit ihrem historischen Brückenhaus die bekannteste; auf dem Fischland gibt es unter anderem die Seebrücke Wustrow von 1993. Sie alle sind ideale Bein-vertreten-Stopps mit Meerblick.
  • Steilküsten und Aussichtspunkte: Neben Jasmund bieten auch andere Küstenabschnitte – etwa am Kap Arkona oder am Hohen Ufer auf dem Fischland – freie Blicke über die See.
  • Künstlerorte: Ahrenshoop auf dem Darß ist seit dem 19. Jahrhundert eine Künstlerkolonie und ein lohnender Stopp für eine ruhige Pause abseits der großen Bäder.
  • Auskühlen im Stand: An der offenen Küste steht der Wind ohne Unterbrechung. Wer nach zwei Stunden Fahrt an einer Seebrücke anhält, kühlt schneller aus als gedacht — die längere Pause gehört hinter die Dünenkette oder in den Windschatten der Hafengebäude.
  • Pausenplätze: Promenadenparkplätze, Hafenkanten und die Parkflächen an den Nationalpark-Eingängen sind die natürlichen Halte. In den geschützten Nationalpark-Kernzonen ist der Verkehr stark reglementiert – Schilder beachten und nur auf ausgewiesenen Flächen halten.

Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst

Königsstuhl & Skywalk (Nationalpark Jasmund, Rügen)

Der bekannteste Kreidefelsen der Ostseeküste, seit 2023 mit einem freischwebenden Skywalk-Rundweg über der Abbruchkante. Fernblick über die Kreideküste und die offene Ostsee.

Anfahrt
Über die B96 bis Sassnitz/Lohme, dann zum zentralen Parkplatz Hagen (Ortsteil Lohme), rund 7 km nördlich von Sassnitz.
Motorrad-Parken
Motorräder auf dem kostenpflichtigen Parkplatz Hagen abstellen; die letzten rund 3 km zum Kliff sind für Kfz gesperrt und werden per Pendelbus zurückgelegt.
Öffnungszeiten
Nationalpark-Zentrum Königsstuhl täglich 09–19 Uhr; Eintritt Erwachsene 14 Euro (inkl. Skywalk).
Höhe/Aussicht
Kreidefelsen 118 m ü. NHN; Skywalk als freischwebende Plattform über der Steilkante.
Nordstrand am Kap Arkona auf Rügen

Kap Arkona (Halbinsel Wittow, Rügen)

Zwei Leuchttürme von 1827 und 1902 plus ein alter Marine-Peilturm auf der Steilküste im Norden von Wittow, dazu die slawischen Wallreste der Jaromarsburg. Markanter Foto-Stopp an der Nordspitze Rügens.

Anfahrt
Über die B96 und die Landstraße durch Altenkirchen bis Putgarten an der Nordspitze der Halbinsel Wittow.
Motorrad-Parken
Großer kostenpflichtiger Parkplatz vor Putgarten; ab dort ist das Kap autofrei — rund 1,8 km zu Fuß, per Pferdekutsche oder mit der Kap-Arkona-Bahn.
Öffnungszeiten
Kap-Gelände frei zugänglich; die Leuchttürme und Ausstellungen haben eigene Öffnungszeiten und Eintritt.
Höhe/Aussicht
Neuer Leuchtturm 35 m hoch, Feuerhöhe 75 m ü. NN; Steilküste am Kliff.
Historisch-Technisches Museum Peenemünde mit Rakete vor dem Kraftwerk

Historisch-Technisches Museum Peenemünde (Usedom)

Im ehemaligen Kraftwerk der Heeresversuchsanstalt gelegen; Dauerausstellung zur Raketenentwicklung 1936–1945 (A4/„V2") und zur Rolle der Zwangsarbeiter. Ernster, gut dokumentierter Technik- und Geschichtsstopp.

Anfahrt
Über die B111 bis Wolgast auf die Insel Usedom, dann nach Nordwesten über die Landstraße bis Peenemünde an der Inselspitze.
Motorrad-Parken
Museumsparkplatz direkt am Kraftwerks- und Ausstellungsgelände.
Öffnungszeiten
April–September 10–18 Uhr, Oktober–März 10–16 Uhr; November–März montags geschlossen.

Fehmarnsundbrücke (Fehmarn)

963 Meter lange Bogenbrücke von 1963, wegen der gegeneinander geneigten Parabelbögen „Kleiderbügel" genannt. Wahrzeichen und Blickfang beim Übergang aufs Festland.

Anfahrt
Auf der B207/E47 über den Fehmarnsund; die Brücke verbindet Großenbrode auf dem Festland mit der Insel Fehmarn.
Motorrad-Parken
Park- und Rastplatz am Brückenkopf; Motorrad abseits der B207 abstellen, Fotoblick auf die Bögen von dort.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich (öffentliche Bundesstraße).
Höhe/Aussicht
Netzwerkbogen bis 45 m über der Fahrbahn, Spannweite 248,5 m.

Altstadt Stralsund (UNESCO-Welterbe)

Backsteingotik am Strelasund mit Rathaus und Nikolaikirche, seit 2002 gemeinsam mit Wismar UNESCO-Welterbe. Direkt am Wasser und Tor zur Insel Rügen.

Anfahrt
An der B105 und der B96 gelegen, am Westufer des Strelasunds unmittelbar vor der Rügenbrücke.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Hafen und am Altstadtrand; die Altstadt selbst ist eng, gepflastert und teils Fußgängerzone.
Öffnungszeiten
Altstadt frei zugänglich; einzelne Museen und Kirchen mit eigenen Öffnungszeiten.

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