
Skandinavien – von Riesen und Trollen
Skandinavien steht auf der Liste der Reiseziele für viele Mitteleuropäer ganz oben. Sei es mit dem Auto, dem Wohnmobil, einem Kreuzfahrtschiff oder auch mit dem Motorrad.
Ostsee
Strecken-Achsen, Bikertreffs, Tankstellen und fertige Tagesrunden – alles zum Fahren.
Von der Redaktion gefahren und dokumentiert – mit Karte und GPX-Track zum Nachfahren.

Skandinavien steht auf der Liste der Reiseziele für viele Mitteleuropäer ganz oben. Sei es mit dem Auto, dem Wohnmobil, einem Kreuzfahrtschiff oder auch mit dem Motorrad.

In Karelien lockt der TET mit unendlichen Schotterstrecken. Und die grandiose Region freut sich über Gäste. Unsere Reise als Grenzgänger als Reportage und Video.

Die Geschichtsreise Aprilia Tuono V4 am Baltischen Meer beginnt an der Grenze zu Polen auf der Insel Usedom und endet am in der Hansestadt Lübeck.

Durch das Hinterland von Stralsund geht es auf dieser fast 200 Kilometer langen Tour durch die Mecklenburgische Schweiz.

An der Ostseeküste genossen wir Motorradtouren über Inseln und durch das Mecklenburgische Hinterland gleichermaßen – Tourentipp vom M&R Lesertreffen Ostsee 2018

Ostsee oder Nordsee: Wo soll er denn hingehen, der Kurztrip ans Meer? Unser Tipp: am besten an beide Küsten – mit ganz viel Wasser dazwischen! Perfekter Wegweiser: der Nord-Ostsee-Kanal, Kosename „NOK“.

Die Ostseeküste ist für viele nicht das Ziel, sondern das Sprungbrett: An ihren Häfen endet die deutsche Landstraße und beginnt Skandinavien. Für Motorradfahrer bedeutet das eine klare Rollenteilung – die Küste fährt man ab, die Fähre bringt einen weiter. Ein Überseehafen wie Rostock, der Fährhafen Travemünde oder die Vogelfluglinie ab Puttgarden auf Fehmarn sind Anreise- und Weiterreise-Punkte, kein Nachmittagsziel. Wer nur zum Hafen und gleich wieder zurück fährt, hat den Norden nicht gesehen; wer übersetzt, plant eine mehrtägige Runde.
Kurzer Belt oder lange Überfahrt. Die Übergänge sind grundverschieden. Über den Fehmarnbelt von Puttgarden nach Rødby geht es in einem kurzen Sprung nach Dänemark – aufsitzen, überfahren, wieder herunter, alles im Rahmen einer knappen Passage. Die Verbindungen nach Schweden und Finnland ab Travemünde und Rostock sowie ab Sassnitz nach Trelleborg und Bornholm sind dagegen lange Überfahrten, oft über Nacht mit Kabine – eine echte Pause für Fahrer und Maschine mitten in der Anreise. Für die kurze Belt-Querung entsteht mit dem festen Fehmarnbelttunnel gerade eine Alternative; bis der befahrbar ist, bleibt es die Fähre.
Zweiräder werden auf den meisten Fähren zuerst an Bord gewinkt und rollen zuerst wieder herunter – ein Vorteil gegenüber der Autoschlange. Auf dem Deck wird das Motorrad festgezurrt, damit es im Seegang nicht kippt; die Besatzung legt die Gurte an, bei rauer See und auf langen Überfahrten hilft eigenes Spanngurt-Material. Ein paar Punkte, die den Unterschied machen:
Das Gepäck lässt man sinnvollerweise am Bike und nimmt nur Helm, Wertsachen und für die Nachtüberfahrt das Nötigste mit in die Kabine – während der Fahrt kommt man auf vielen Schiffen nicht mehr ans Autodeck.
Dass die Landstraßen hier so oft von mächtigen Baumreihen gesäumt sind, ist kein Zufall, sondern Programm. Mecklenburg-Vorpommern hat den dichtesten Alleenbestand Deutschlands und schützt ihn per Landesrecht und einer eigenen Alleenrichtlinie: Alleen dürfen nicht einfach gefällt oder für breitere Fahrbahnen geopfert werden, Lücken werden nachgepflanzt. Für den Fahrer bedeutet dieser Alleenschutz zweierlei – die Strecken bleiben schmal und eng eingefasst, und sie bleiben landschaftlich das, wofür man an die Küste fährt. Ein guter Teil der Deutschen Alleenstraße verläuft durch genau diese Region.

Der Belag unter den Bäumen. Viele dieser Alleen sind alte Chausseen, und mancherorts liegt darunter noch das historische Kopfsteinpflaster oder es schaut unter dünnem Asphalt wieder durch. Solche Pflaster-Alleen fahren sich eigen: Die alten Chausseen sind zur Mitte hin gewölbt, damit Wasser abläuft, dazu kommen Längsfugen, geflickte Asphaltinseln und Wurzelaufbrüche am Rand. Das ergibt einen unruhigen, wechselnden Untergrund, der bei Trockenheit harmlos ist, bei Nässe aber tückisch wird.
Das Kronendach hält die Straße feucht. Die geschlossene Baumkrone ist der eigentliche Faktor: Sie hält Regen und Tau lange auf der Fahrbahn, während offene Strecken längst abgetrocknet sind. Im Herbst kommt nasses Laub dazu, das auf Pflaster und in den Fugen zu einer glatten Schicht wird, und das Licht-Schatten-Spiel unter den Kronen verdeckt genau die Fugen, Flicken und Laubnester, auf die es ankommt. Sinnvoll ist eine Spur, die den gewölbten, oft schmierigen Fahrbahnrand meidet, ohne an die Bäume zu drängen – und im Zweifel weniger Tempo, weil der Belag hier schneller wechselt als anderswo.
Neben den großen Skandinavien-Fähren gehört an dieser Küste noch eine andere Sorte Schiff zur Streckenplanung: die kleinen Auto- und Personenfähren über Bodden, Flussmündungen und Meerengen. Sie sind kein Ausflugsziel, sondern Teil des Wegenetzes – teils klassische Ketten- oder Kabelfähren, die sich an einem gespannten Seil über schmales Wasser ziehen. Wo eine Brücke fehlt oder einen Umweg bedeutet, verkürzt so eine Fähre die Strecke spürbar.
Fähre statt Nadelöhr. Der bekannteste Fall ist der Strelasund: Statt über die stark belastete Rügenbrücke, die im Hochsommer und bei Brückenarbeiten schnell zum Rückstau wird, setzt man weiter südlich mit der Fähre zwischen Stahlbrode auf dem Festland und Glewitz über. Das ist die entspanntere Anfahrt, wenn man den Trubel an der Hauptquerung umgehen will. Bei solchen kleinen Fähren gilt: Sie fahren oft nur saisonal und in Intervallen, nicht jede nimmt Kraftfahrzeuge mit, und bezahlt wird mitunter bar an Bord – vor der Tour kurz prüfen, ob und wann sie läuft.
Aufsetzen mit Gefühl. Die Rampen und Decks dieser kleinen Fähren sind schmal, oft aus Stahl oder nassem Holz und leicht schräg. Langsam auffahren, früh die Bremse lösen und beim Halt einen sicheren Fußpunkt suchen – auf glattem, feuchtem Deck rutscht der Stiefel ähnlich wie auf dem Kopfsteinpflaster der Altstädte. Und nicht jedes Küstenziel lässt sich überhaupt anfahren: Autofreie Inseln wie Hiddensee erreicht man nur als Passagier, das Motorrad bleibt am Festland – bei der Planung einer Fährstrecke lohnt der Blick, ob am anderen Ufer motorisiert weitergefahren werden darf.
Rund 150 bis 180 km, ein voller Tag. Von Lübeck hinaus nach Travemünde und weiter an der Lübecker Bucht über Scharbeutz und Timmendorfer Strand. Highlight ist der Kontrast zwischen der Welterbe-Altstadt mit dem Holstentor und der offenen Bucht. Einkehr in einem der Strandorte an der Promenade. Wer mag, schließt eine Schleife durch die ruhige holsteinische Allee-Landschaft an.
Rund 120 bis 160 km ab Ribnitz-Damgarten oder Rostock, ein entspannter Tag. Die schmale Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist eine Sackgassen-Landschaft – man fährt hinein und denselben Weg im Wesentlichen zurück, dafür durch klassische Allee- und Boddenkulisse mit Fischerdörfern wie Wustrow, Ahrenshoop und Prerow. Highlight ist die Boddenlandschaft des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft, im Herbst mit den rastenden Kranichen. Einkehr in Prerow, Wieck oder Zingst; der Leuchtturm Darßer Ort ist nur zu Fuß erreichbar.
Rund 150 bis 200 km ab Stralsund, ein langer Tag. Über die Rügenbrücke (B96) auf die Insel, dann via Bergen Richtung Norden bis zur Halbinsel Wittow und Kap Arkona mit seinen Leuchttürmen. Auf dem Rückweg lohnt ein Abstecher in den Nationalpark Jasmund mit dem Königsstuhl bei Sassnitz und in das mondäne Seebad Binz mit seiner Bäderarchitektur. Einkehr in Binz oder Sassnitz.
Rund 120 bis 160 km, ein Tag. Über die B111 auf die Sonneninsel Usedom, entlang der Küste zu den Kaiserbädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin mit ihrer Villen- und Bäderarchitektur. Highlight sind die historischen Seebrücken, darunter die älteste Deutschlands in Ahlbeck. Einkehr an einer der Strandpromenaden; das Inselinnere bietet ruhige Allee-Verbindungen abseits des Bädertrubels.
Rund 160 bis 200 km, ein voller Tag. Diese Runde verlässt die windige Küste und taucht ins hügelige Hinterland ein. Von der Küste über die B104 und Landstraßen in die Mecklenburgische Schweiz rund um Malchin, Teterow und den Malchiner See bei Basedow. Hier wird die Region tatsächlich kurvig: sanfte Hügel, Alleen, Wälder und Seen wechseln sich ab, mit Anstiegen bis rund 100 Meter. Highlight ist die Gutslandschaft mit ihren historischen Ensembles. Einkehr in Malchin oder Teterow, bevor es zurück an die Küste geht.
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