Welcher Küstenabschnitt als Quartier – von der Lübecker Bucht bis Vorpommern

Die deutsche Ostseeküste zieht sich über mehrere hundert Kilometer, und ein einziges Quartier deckt sie nicht ab. Sinnvoller ist es, vorab einen Abschnitt festzulegen und dort zu bleiben. Im Westen liegt die Lübecker Bucht mit Travemünde, Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Grömitz – dicht besiedelt, gut erschlossen, kurze Wege. Weiter östlich folgt die Insel Fehmarn, dann die Wismarer Bucht mit der Hansestadt Wismar. Das Herzstück der mecklenburgischen Küste bilden die Bäderorte zwischen Rerik, Kühlungsborn und Warnemünde vor Rostock. Nördlich davon greift die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst mit Ahrenshoop, Wustrow und Prerow weit ins Meer. Ganz im Osten schließt die vorpommersche Küste um Stralsund und Greifswald an. Zwischen der Lübecker Bucht und Stralsund liegen leicht mehrere Fahrstunden, und die Bäderstraßen sind langsam; ein Quartier in Timmendorf für einen Ausflug nach Fischland-Darß taugt nicht. Wer diese Orte als Ankerpunkte nimmt, wählt sein Quartier nach dem Abschnitt, den er befahren will – nicht nach der Küste als Ganzem.
Was die Quartiere an der Küste ausmacht

Viele Ostseebäder tragen die weiße Bäderarchitektur des 19. Jahrhunderts – Villen mit Loggien und Ziergiebeln, oft in geschützter Ortslage nah an der Promenade. Solche Häuser sind ansehnlich, im historischen Kern aber eng: Wer mit dem Motorrad anreist, fragt besser vorab nach einem festen, möglichst überdachten Stellplatz, gerade in den kleineren Bädern, wo Fußgängerzonen und Kurbereiche das Parken vor der Tür einschränken. Auf Fischland-Darß prägen zudem reetgedeckte Häuser das Bild, hübsch, aber oft in ruhigen Ortsteilen mit schmaler Zufahrt. Das Hinterland ist von Alleen geprägt, für die Mecklenburg-Vorpommern bekannt ist; sie sind reizvoll, bei Nässe und Herbstlaub jedoch rutschig. Ein Faktor, den viele unterschätzen, ist der Wind: Die Küste ist flach und offen, Seitenböen auf Deichstraßen und Brücken sind normal und kosten auf langen Etappen Kraft. Rechne das bei der Tagesdistanz ein und lege das Quartier so, dass die Rückfahrt am Nachmittag nicht dauerhaft gegen die Hauptwindrichtung führt.
Basislager wählen, früh buchen, Fähren mitdenken

Weil die Küste zu lang für einen einzigen Standort ist, lohnt ein festes Basislager mit Tagesausfahrten in eine Richtung – etwa Kühlungsborn für die mittlere Küste oder Stralsund als Tor nach Vorpommern. In der Hauptsaison von Juni bis August sind die Bäderorte voll, die Zufahrten an Wochenenden zäh und die Zimmer knapp; wer sicher unterkommen will, bucht früh und nimmt lieber mehrere Nächte am selben Ort, statt täglich umzuziehen. Die großen Fährhäfen Travemünde und Rostock verbinden die Küste mit Dänemark, Schweden und Finnland – wer die Reise verlängern möchte, kann von hier nach Skandinavien übersetzen und die Fährzeit als Etappe einplanen. Kürzere Überfahrten führen zu den vorgelagerten Inseln; das autofreie Hiddensee etwa eignet sich nur als Ausflug ohne Maschine. So bleibt das Quartier an Land der ruhende Punkt, von dem aus sich Küste, Hinterland und – wer mag – die Erweiterung übers Wasser erschließen lassen.

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