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Ostsee

Die Motorrad-Reviere an der Ostsee

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Ostseeküste ist kein einzelnes Revier, sondern eine Kette von Revieren — eine mehrere hundert Kilometer lange Fahrachse von der Flensburger Förde an der dänischen Grenze bis nach Usedom. Dazwischen liegen Bäderorte, flache Steilküsten, Halbinseln, die weiten Bodden und die Fährhäfen nach Skandinavien. Fahrerisch ist das ehrlich gesagt kein Kurvengebirge, sondern eine Rollstrecke mit Meerblick: lange Geraden, Alleen, Kopfsteinpflaster in den Altstädten, dazu Seitenwind auf den offenen Deich- und Dammabschnitten. Wer Höhenmeter und Serpentinen sucht, ist hier falsch; wer eine entspannte Küstenlinie mit dichten Kulturstopps will, richtig. Die eigenständigen Insel- und Küstenreviere haben eigene Seiten — hier geht es um die Achse als Ganzes und um ihr Kernstück Fischland-Darß-Zingst.

Fischland-Darß-Zingst – das Kernrevier ohne eigene Domain

Strand mit Strandkörben bei Wustrow
Strand mit Strandkörben bei Wustrow

Zwischen Rostock und Stralsund reicht die Halbinselkette Fischland-Darß-Zingst in die Ostsee — für viele der landschaftliche Höhepunkt der deutschen Küste und, weil ohne eigene Seite, hier das Kernrevier. Von Ribnitz-Damgarten führt eine einzige Landstraße hinaus: über das schmale Fischland mit dem Ostseebad Wustrow, weiter nach Ahrenshoop, der Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Künstlerkolonie, und über Born und Wieck bis Prerow auf dem Darß. Links die offene See, rechts die flachen Bodden — Saaler, Bodstedter und Barther Bodden, Windwatt statt Brandung. Das Ganze ist eine Stichstraße: Prerow ist Endstation, nach Zingst kommt man nur über den Rückweg und die Meiningenbrücke bei Bresewitz. Man fährt also raus und wieder rein — dafür ohne Durchgangsverkehr.

Die Nordspitze mit dem Leuchtturm am Darßer Ort liegt im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und ist nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar — mit dem Motorrad kommt man bis zum Parkplatz, nicht weiter. Der Park schützt Bodden, Dünen und Küstenwald; im Herbst rasten hier Zehntausende Kraniche, eines der größten Sammelgebiete Mitteleuropas — abends fallen sie in langen Ketten auf den flachen Boddenufern ein, gut zu sehen etwa vom Pramort auf Zingst. Rechne im September und Oktober mit vollen Orten und knappen Betten; unter der Woche und außerhalb der Kranichzeit ist die Halbinsel deutlich ruhiger.

Lübecker Bucht und Flensburger Förde – das mondäne Nordwest-Ende

Uferweg am Salzhaff
Uferweg am Salzhaff

Ganz im Nordwesten beginnt die Achse an der Flensburger Förde an der dänischen Grenze — Fördeland mit dem Wasserschloss von Glücksburg, dahinter Dänemark; dieser Abschnitt gehört zum eigenständigen Revier Schleswig-Holstein. Weiter südöstlich öffnet sich die Lübecker Bucht mit den bekanntesten Bädern der deutschen Ostsee: Travemünde an der Trave-Mündung, dann Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Niendorf und Grömitz — breite Strände, lange Promenaden, im Sommer voll. Travemünde ist zugleich Fährhafen nach Schweden und Finnland. Vor der Bucht liegt die Insel Fehmarn, über die Fehmarnsundbrücke angebunden, mit dem Fährhafen Puttgarden nach Dänemark.

Wismarer Bucht, Insel Poel und das Salzhaff

Anlegesteg am Tollensesee
Anlegesteg am Tollensesee

Östlich von Boltenhagen öffnet sich die Wismarer Bucht. Am Grund der Bucht liegt die Hansestadt Wismar mit ihrem großen Marktplatz und den Backstein-Kirchen; die Altstadt zählt zum UNESCO-Welterbe. Vor der Stadt liegt die Insel Poel, über einen Damm erreichbar — flache, ruhige Inselstraßen zwischen Feldern und Steilufer, Kirchdorf als Hauptort, ein lohnender Abstecher statt Rundkurs. Weiter östlich schnürt die Halbinsel Wustrow — nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Ostseebad auf dem Fischland — das flache Salzhaff vom offenen Meer ab; die Halbinsel selbst ist altes Militärgelände und weitgehend gesperrt, Zugang gibt das Ostseebad Rerik am Haffufer.

Die Kühlung, Heiligendamm und die Bäderbahn Molli

Motorrad auf der Uferstraße am Salzhaff
Uferstraße am Salzhaff

Hinter der Küste zieht sich die Kühlung hin, eine Kette flacher Hügel — die seltene Gelegenheit auf ein paar sanfte Höhenmeter in einem sonst ebenen Revier. Zwischen Bad Doberan mit seinem gotischen Backstein-Münster, dem Seebad Heiligendamm — 1793 gegründet, das älteste deutsche Ostseebad — und dem großen Bäderort Kühlungsborn verkehrt die Molli, eine schmalspurige Dampfeisenbahn, die in Bad Doberan mitten durch die Straße fährt. Für Fahrer heißt das konkret: Schienen im Asphalt, die man bei Nässe mit Vorsicht quert.

Rostock und Warnemünde

Motorrad auf einem Feldweg zwischen reifem Getreide nahe der Küste
Feldweg durchs Getreide hinter dem Deich

Die Hansestadt Rostock ist die größte Stadt an der Küste, mit der Marienkirche, dem Kröpeliner Tor und der 1419 gegründeten Universität, der ältesten im Ostseeraum. An der Warnow-Mündung liegt Warnemünde: breiter Strand, Leuchtturm und Teepott, dahinter die Reihe der Bäderhäuser am Alten Strom. Vom Überseehafen setzen die Fähren nach Dänemark und Schweden über — Warnemünde selbst ist Bäderort und Kreuzfahrtterminal, nicht der Fährhafen.

Backstein an der Küste – die Hansestädte

Motorrad am bewaldeten Ufer des Tollensesees
Rast am Tollensesee

Die Küste ist gesäumt von den alten Hansestädten, und ihr gemeinsamer Nenner ist die norddeutsche Backsteingotik. Die Altstädte von Lübeck mit dem Holstentor, Wismar und Stralsund tragen alle drei den UNESCO-Welterbe-Titel; Stralsund am Strelasund ist zugleich das Tor nach Rügen. Dazu kommen Greifswald, die Universitäts- und Hansestadt am Bodden mit der hölzernen Klappbrücke im Fischerdorf Wieck und der Klosterruine Eldena, die Caspar David Friedrich gemalt hat, und das schon genannte Rostock. Diese Städte liegen so an der Route, dass man sie beim Küstenfahren fast automatisch ansteuert — die Kultur- und Pausenstopps zwischen den Naturabschnitten.

So fährt sich die Küste

Weiße Villenzeile der Bäderarchitektur in Heiligendamm
Die weiße Bäderarchitektur von Heiligendamm

Der Reiz liegt nicht in Kurven, sondern im Belag und in der Streckenführung: lange Alleen, für die Mecklenburg-Vorpommern bekannt ist, dazu Landstraßen dicht am Wasser und über die Bodden-Dämme. Höhenmeter gibt es kaum — die Kühlung und das leicht wellige Hinterland sind die Ausnahme. Zwei Dinge sind ernst zu nehmen: das Kopfsteinpflaster in den Altstädten und auf alten Dorfstraßen, das bei Nässe rutscht, und der Seitenwind auf den offenen Deich- und Dammabschnitten. Wer mehr Bewegung im Lenker will, koppelt die Küste mit dem Hinterland — der Mecklenburgischen Seenplatte oder der Holsteinischen Schweiz, beide mit eigener Seite.

Fährhäfen nach Skandinavien

Die Küste ist der Absprung nach Norden. Von Puttgarden auf Fehmarn läuft die Fähre über den Fehmarnbelt nach Rødby in Dänemark (die Vogelfluglinie; der feste Belttunnel ist im Bau). Travemünde fährt nach Schweden und Finnland, Rostock nach Gedser und Trelleborg, und von Sassnitz auf Rügen geht es nach Trelleborg und zur Insel Bornholm. Wer eine Skandinavien-Runde plant, startet an einem dieser Häfen; wer nur die Küste abfährt, hat jederzeit die Option, spontan überzusetzen. In der Hauptsaison sind Fährzeiten und Reservierung vorher zu klären.

Die eigenständigen Reviere – wo es weitergeht

An der Achse hängen die Reviere mit eigener Seite: Rügen mit den Kreidefelsen von Jasmund und Kap Arkona, Usedom mit den Kaiserbädern und dem Raketenstandort Peenemünde an seiner Nordspitze, die Mecklenburgische Seenplatte im Binnenland, die Holsteinische Schweiz und Schleswig-Holstein mit seinen zwei Meeren. Die Ostseeküste ist die Linie, die sie verbindet — wer ihr folgt, fährt von einem Revier ins nächste. Für die Details geht es auf die jeweilige Revier-Seite.

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